Der Steinbruch "Hohenäcker" bei Frankenberg (Eder)

 

Im Zeichen der "Kornähre"  - Zechsteinflora im Steinbruch „Hohenäcker“

Mit dem Steinbruch des ehemaligen Ziegelwerks Bötzel & Co. verfügt die Region „Ederbergland“ über einen herausragenden geologischen Anlaufpunkt von sowohl regionaler als auch überregionaler Bedeutung! Vor allem aufgrund der Einzigartigkeit der hier aufgeschlossenen Gesteinsschichten sowie der Fossilfunde ist der Steinbruch ein wichtiges „Fenster der Erdgeschichte“.

Der Steinbruch liegt am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges nahe der Stadt Frankenberg/ Eder. Während des Oberperms (ca. 250 Mio Jahre vor heute) befand sich hier der Küstenbereich des Zechsteinmeeres, das damals weite Teile Norddeutschlands und der südlich angrenzenden Regionen überflutete. Nördlich und südlich der damals bereits gehobenen „Kellerwald“-Scholle ragten mit der „Korbacher“ und „Frankenberger Bucht“ (heutiger Burgwald) zwei Meeresarme relativ weit ins Landesinnere. Die im Steinbruch aufgeschlossenen Sedimente werden als küstennahe Rand-Ausbildungen des o. g. Meeres im Südwesten der „Korbacher Bucht“ interpretiert. Neben den terrestrischen Ablagerungen der „Battenberg- und der Geismar-Formation“ ist vor allem die stark terrestrisch beeinflusste Lagunen-Fazies der „Stätteberg-Formation“ fast in gesamter Mächtigkeit aufgeschlossen . Letztere Formation ist nur im Frankenberger Raum verbreitet. Die Abfolge der genannten Schichten besteht aus grauen Ton- und Mergelgesteinen, tonig-sandigen Karbonaten und bituminösen Kalk- und Dolomitgesteinen mit einer verarmten marinen Fauna, in die gelbbraune und graufarbene Sandsteine mit gut erhaltenen Pflanzenresten (Zweige, Zapfen, Samenschuppen) eingeschaltet sind. Diese sandigen Schichten wurden als Deltaschüttungen eines einmündenden Flusslaufes in den flachen marinen Ablagerungsraum eingetragen. In den Sandsteinen treten hauptsächlich Reste von permischen Nadelgehölzen wie Pseudovoltzia liebeana und Ullmannia frumentaria sowie Ullmannia bronnii auf. Letztere Art erhielt im 19. Jahrhundert den charakteristischen Beinamen „Frankenberger Kornähre“. Baumstämme bis 30 cm Durchmesser und 2 m Länge konnten beobachtet werden. Funde von fossiler Holzkohle deuten darauf hin, dass vor 250 Mio. Jahren „Buschbrände“ stattfanden (UHL & JASPER 2011). Weiterhin wurden äußerst seltene Farnsamer wie Samaropsis triangularis, Peltaspermum martinsii oder Sphenopteris spec. nachgewiesen. Der Steinbruch bildet mit diesen Funden das floristische Gegenstück zur „Korbacher Spalte“, wo Knochenfunde von Wirbeltieren die einstige Fauna der Oberpermzeit dokumentieren. Fundstellen von Pflanzen aus dieser Zeit sind, besonders in Mitteleuropa, relativ selten. Daher erlangt der Steinbruch einen herausragenden paläontologischen Stellenwert auch aus europäischer Sicht. Drei Teilareale des Steinbruches sind seit 2003 als „paläontologisches Bodendenkmal“ geschützt.
(Quelle: www.geopark-grenzwelten.de)

 

Am 30. Januar 2018 wurde die neu errichtete GeoStation Steinbruch Hohenäcker vor den Toren des Frankenberger Stadtteils Rodenbach feierlich eingeweiht. Das Gelände des ehemaligen Steinbruchs umfasst einzigartige Gesteinsformationen und hat als Fundort hervorragend erhaltener Pflanzenfossilien bei Experten weltweite Bedeutung erlangt.

Die GeoStation schafft jetzt ein Tor zum Nationalen Geopark GrenzWelten und ist gleichzeitig ein attraktives Naherholungs- und Tourismusangebot. Vier anschaulich gestaltete Infotafeln informieren über die vor Ort gefundenen rund 255 Millionen Jahre alten Fossilien, über die Entstehung des Steinbruchs, die Evolution der Landpflanzen sowie über das lokale Vorkommen schützenswerter Amphibien. Das begrünte Holzdach des Info-Pavillons ruht auf drei schweren steinernen Stelen, die direkt aus dem Steinbruch stammen.

Am Eingang des Geländes lädt zudem ein kleiner „Steinbruch“ dazu ein, selbst Hand an die ausliegenden Steine zu legen und auf Fossiliensuche zu gehen. Das Angebot gilt nicht nur für die jungen Besucherinnen und Besucher – lediglich Hammer und Meißel sind selbst mitzubringen.

Der Nationale Geopark GrenzWelten, zum dem der Steinbruch Hohenäcker gehört, erstreckt sich insgesamt über eine Fläche von rund 3.700 km² – eine geologisch abwechslungsreiche und landschaftlich reizvolle Mittelgebirgslandschaft im Grenzgebiet zwischen Nordhessen und Nordrhein-Westfalen. Er bietet Einblicke und Exkursionen in die geologische, historische und kulturelle Entwicklung dieser Natur- und Kulturlandschaft.

 

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